Friedensverhandlungen – auch mit dem sogenannten IS und anderen Dschihadisten?

Diskussionsveranstaltung von W&F und BICC
Veranstaltungstyp: 
Vorträge und Abendveranstaltungen

Pazifistischer und ziviler Friedenspolitik wird oft mit dem Vorwurf begegnet, sie sei weltfremd und habe keine Chance auf Erfolg. Weiter wird argumentiert, dass es Fälle gibt, in denen sich nur durch den Einsatz von Waffen die Bedingungen herstellen lassen, die zu einer neuen Friedensordnung führen. Wo, so könnte man weiterfragen, liegen die Grenzen zwischen einer aussichtsreichen und einer aussichtslosen Verhandlungsposition? Ab wann ist der Gedanke, über Friedensverhandlungen zu einem Ende der kriegerischen, bewaffneten Auseinandersetzung zu kommen, zu verwerfen, und wer ist in Verhandlungen überhaupt mit einzubeziehen?

Im aktuellen Konflikt in Syrien ist dies eine der zentralen Fragen: Wer soll mit am Tisch sitzen, wenn man über den Frieden verhandelt? Gibt es ein Maß an Radikalität, das Akteure diskreditiert und ausschließt – oder müssen alle Akteure unterschiedslos an den Tisch? Was sind die Bedingungen für einen erfolgreichen Friedensprozess?

Mit einem Streitgespräch werden wir dieser Frage nachgehen und die Argumente abwägen, die für und gegen die Beteiligung radikalislamistischer Gruppierungen an den überfälligen Friedensverhandlungen sprechen.

Jochen Hippler führte in seinem Beitrag „Verhandeln nicht immer eine Option“ in Wissenschaft und Frieden 3-2015 aus, dass es bestimmter Bedingungen bedarf, damit Friedensverhandlungen eine Chance auf Erfolg haben, während bestimmte andere Konstellationen den Erfolg von Friedensverhandlungen eher verhindern. Er argumentiert, zugespitzt auf den „Islamischen Staat“, dass dessen Erfolg gerade auf seiner kompromisslosen Brutalität und einer exkludierenden Ideologie basiere, die ihn als Verhandlungspartner ausschließe. Eine mit dem IS geschaffene Friedensordnung drohe, abseits des humanitären Völkerrechts zu stehen, und das fortgesetzte Leid der Bevölkerung würde damit akzeptiert.

Thomas Carl Schwoerer, dessen Buch „Mit dem IS verhandeln? Neue Lösungen für Syrien und den Terrorismus“ im Herbst 2016 erschien, hält hier dagegen. Gerade die Position, mit aller Härte gegen Gruppierungen wie den IS und andere islamistische Terrorgruppen vorzugehen, halte die Konflikte überhaupt erst weiter am Leben. Deshalb könnten nur mit einem konsequenten Durchbrechen der Gewaltspirale die Bedingungen geschaffen werden, unter denen Frieden möglich ist. Aus dem bisherigen „Kriegen gegen Terror“ müssten darum die richtigen Lehren gezogen werden, plädiert Schwoerer. Statt weiter Truppen zu entsenden und Angst in den Konfliktregionen zu schüren, müsse mit pazifistischen und zivilen Mitteln ein Ausgleich zwischen den regionalen Interessen gefunden werden, der letztlich die Basis dauerhafter Friedenslösungen schaffen kann.

Veranstalter: 
Zeitschrift Wissenschaft und Frieden (W&F) und das BICC (Internationales Konversionszentrum Bonn)
Referenten: 
Veranstaltungsort
Name: 
BICC
Straße: 
Pfarrer-Byns-Straße 1
Ort: 
53121 Bonn
Anmeldefrist: 
Förderhinweise
Termin
von: 
Freitag, 27. Januar 2017 - 18:00
bis: 
Freitag, 27. Januar 2017 - 20:00
Kosten: 
Anmeldekontakt: