Erinnern - Verstehen - Verhindern. Vom schwierigen Umgang mit Verbrechen gegen die Menschlichkeit

Tagung an der Friedensakademie Rheinland-Pfalz
Veranstaltungstyp: 
Fachtagungen und Konferenzen

2015 ist ein Jahr trauriger Jubiläen. Der 27. Januar, an dem sich die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz zum 70. Mal jährte, mahnt uns zur Erinnerung an den nationalsozialistischen Völkermord. Im April jährte sich der Gedenktag an den Völkermord an den Armeniern vor 100 Jahren. Auch in Ruanda finden Gedenkfeiern im ganzen Land zur Erinnerung an den Genozid 1994 statt. Im Juli wiederum jährte sich zum 20. Mal die Erinnerung an das Massaker von Srebrenica. 100 Jahre nach Ende der Kolonialherrschaft entschließt sich die Bundesregierung 2015 erstmalig, die Massaker in Namibia an den Herero und Nama von 1904 bis 1908 als Kriegsverbrechen und Völkermord zu bezeichnen.

Während uns die Ereignisse von gezieltem Massenmord und massenhafter Vertreibung des 20. Jahrhunderts zum Erinnern mahnen, scheinen uns zugleich die Entstehung und Entwicklung solcher Verbrechen noch immer nicht verständlich. In welchem Umfeld entstehen sie, wer begeht sie? Im Umgang mit schweren Menschenrechtsverbrechen setzt die internationale Gemeinschaft heute vielfach auf Formen und Praktiken von Transitional Justice. Damit ist gemeinhin ein Prozess beschrieben, Verbrechen eines politischen und sozialen Gemeinwesens mit juristischen und nicht juristischen Mitteln weitestgehend öffentlich aufzuarbeiten, um dem Vergessen entgegenzuwirken, bisher geheime oder nur wenigen Personen bekannte Vorgänge offenzulegen, Verantwortlichkeiten festzulegen und auch Opfer anzuerkennen. Aber reichen diese Formen der Vergangenheitsaufarbeitung und Vergangen-heitsbewältigung? Welcher Schritte bedarf es zu Versöhnungsprozessen? Wie können diese mit Entschädigungsfragen zusammengeführt werden? Und wie lassen sich künftig solche Verbrechen verhindern?

Das Symposium widmet sich dem auch heute immer noch aktuellen Thema des schwierigen Umgangs mit gravierendsten Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Verschiedene Expertinnen und Experten werden aus unterschiedlichen Perspektiven einen kritischen Blick auf die Möglichkeiten des Verstehens, Erinnerns und Verhinderns von Verbrechen gegen die Menschlichkeit werfen.

Programm

Veranstalter: 
Evangelische Akademie der Pfalz, Friedensakademie Rheinland-Pfalz und Stadtbibliothek Ludwigshafen am Rhein
Referenten: 
Prof. Dr. Hans-Joachim Heintze (Institut für Friedensrecht und humanitäres Völkerrecht), Prof. Dr. Mihran Dabag (Institut für Diaspora- und Genozidforschung), Dr. Fatima Kastner (Institute for World Society, Universität Bielefeld), Prof. em. Dr. Wolfgang Benz (ehemaliger Direktor des Zentrum für Antisemitismusforschung), Timothy Williams (Zentrum für Konfliktforschung, Universität Marburg) sowie der Schriftsteller Thomas Hartwig („Die Armenierin“).
Veranstaltungsort
Name: 
Butenschoen-Haus
Ort: 
Landau
Anmeldefrist: 
27. Oktober 2015
Termin
von: 
Freitag, 6. November 2015 - 17:30
bis: 
Sonntag, 8. November 2015 - 12:30
Kosten: 
130 Euro im EZ und 110 Euro im DZ
Anmeldekontakt: 
E-mail: info(at)eapfalz.de