Auseinandersetzung mit belasteter Geschichte

Schwerpunkt: Persönliche und kollektive Auswirkungen der Nazi-Tyrannei – ihre Bearbeitung in Begegnung und Dialog

Der Zweite Weltkrieg und der Holocaust haben tiefe Spuren hinterlassen. Die Missachtung von Menschenrechten, die Vertreibung von Menschen aus ihrer Heimat, der Vernichtungskrieg „zur Schaffung von Lebensraum“ und der systematische Völkermord an Juden, Sinti und Roma und anderen Bevölkerungsgruppen stellen einen Zivilisationsbruch dar, der sich nicht nur im Gedächtnis der Zeitzeugen, sondern auch der nachfolgenden Generationen eingeprägt hat.

Eine zentrale Lehre wurde allerdings nicht aus der Erfahrung gezogen, dass aus Gewalt immer neue Gewalt hervor geht und dass deswegen vergangenes Unrecht nicht heilen kann. Der Holocaust war der Höhepunkt einer Entwicklung, die dadurch bedingt war, dass der Völkermord an den Namibiern im ersten Jahrzehnt und an den Armeniern im zweiten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts nicht geahndet wurden. Ein Indiz dafür, dass das Trauma noch immer anhält, ist die Tatsache, dass Völkermord auch in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ständig neu begangen wurde und bis heute wird. Somit stehen auch die nach dem Krieg Geborenen vor der Aufgabe, sich mit den Folgen dieser Zeit auseinanderzusetzen und sich der Betroffenheit der Opfer bzw. der Verwicklung der eigenen Vorfahren in die Verbrechen zu stellen.

In der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit setzen sich viele Projekte nicht nur mit der eigenen Familiengeschichte auseinander, sondern suchen bewusst auch den Dialog mit der „anderen Seite“, z. B. mit deutsch-israelischen oder deutsch-polnischen Austauschprogrammen oder Begegnungen mit Zeitzeugen.

Ist eine aufrichtige Begegnung möglich? Hilft die Begegnung beiden Seiten, das historische Geschehen und die Auswirkungen der NS-Zeit besser zu verstehen? Entwickeln sich durch solche Begegnungen auch gemeinsame Perspektiven für die Zukunft?

Diese und andere Fragen, die Dan Bar-On, aber auch Werner Bohleber sowie Dina Wardi und David Caesarini in ihren beeindruckenden Auseinandersetzungen stellen, stehen im Mittelpunkt der Tagung, zu der Vertreterinnen und Vertreter deutscher und internationaler Projekte eingeladen werden, die den Austausch, die Begegnung und den Dialog in den Mittelpunkt ihrer Arbeit stellen.

Die Tagung eröffnet diesen Projekten die Möglichkeit, ihre Arbeit vorzustellen und über ihre Erfahrungen zu berichten. Das Ziel der Tagung ist ein offener Austausch über positive Erfahrungen wie auch über entstandene Probleme und deren Lösungsversuche.

„Ohne Gespräch kein Frieden“: In diesem Sinne versteht sich diese Erinnerungsarbeit über Begegnung und Dialog als ein Beitrag zur Stärkung von Menschenrechten und Menschenwürde in Gegenwart und Zukunft.

TgNr. 116131

Veranstalter: 
Evangelische Akademie Arnoldshain
Referenten: 
Ruth Barnett, Hermann Düringer, Yolanda Gampel, Edith Haase, Angelika Rieber, Alexandra Senfft, Teresa von Sommaruga-Howard
Termin
von: 
Freitag, 11. März 2011 - 16:30
bis: 
Sonntag, 13. März 2011 - 15:00
Kosten: 
Unterkunft im Einzelzimmer und Verpflegung 140,– Euro; Unterkunft im Doppelzimmer und Verpflegung 120,– Euro; zuzüglich Kursgebühr 30,– Euro; Teilnahme ohne Übernachtung, jedoch mit Verpflegung inkl.Kursgebühr 105,– Euro; ermäßigt im Doppelzimmer pro Person inkl. Kursgebühr 85,– Euro
Anmeldekontakt: 
Tagungssekretariat/Anmeldung: Karin Weintz, Tel.: 06084-95 98-125, Fax: 06084-95 98-138,eMail: weintz[at]evangelische-akademie.de