Trauer um Andreas Buro

Prof. Dr. Andreas Buro, Friedensforscher und jahrzehntelanger Vordenker der deutschen Friedensbewegung, ist am Dienstag, dem 19.1.2016, im Alter von 87 Jahren verstorben.

Andreas Buro gehörte zu den Mitbegründern der Friedensbewegungen ab Mitte des letzten Jahrhunderts und war bis wenige Tage vor seinem Tode friedenspolitisch aktiv. Er war Mitglied der Plattform Zivile Konfliktbearbeitung und vieler anderer Friedens- und Bürgerrechtsorganisationen, und Initiator und Wegbegleiter zahlreicher friedenspolitischer Initiativen,

so z.B. des Monitoring-Projekts mit konkreten Vorschlägen zur zivilen Konfliktbearbeitung in unterschiedlichen internationalen Konflikten. Seine Reflexion über Gründe des Unfriedens mündete stetig in handlungsorientierte Alternativen; wissenschaftliche Analyse und politische Praxis waren bei ihm untrennbar miteinander in zivilgesellschaftlichem Handeln verknüpft. Sein ruhiges, freundliches Wesen, das nur sehr selten hinter der Wut über menschenverachtende Politik verschwand, ließ ihn als ganz besonderen Menschen wirken. In seinem letzten Kommentar, der am 24.12.2015 im Aachener Friedensmagazin aixpaix.de unter der Überschrift „Friedenslogik, die die Kriegslogik infrage stellt“ erschien, formulierte er sein optimistisches Vermächtnis:

„Mir fällt der Vers aus Brechts ‚Lied von der Moldau‘ ein: ‚Das Große bleibt groß nicht und klein nicht das Kleine ...‘ Vielleicht sind wir in einer solchen Situation. In vielen Teilen der Welt bilden sich Widerstandsgruppen gegen Krieg und Gewalt, Ausbildungsstätten für Zivile Konfliktbearbeitung entstehen und Ausgebildete werden bereits in Konflikten erfolgreich eingesetzt. Das Bemühen ist oft schwierig – Brechts Wort! Manche Kontrahenten, die nicht mehr siegen können, lassen sich auf Verhandlungen ein und lernen, wie erfolgreich Zivile Konfliktbearbeitung sein kann. Soziale Bewegungen auf anderen Arbeitsfeldern lernen voneinander, dass zivile Konfliktbearbeitung auch für sie hilfreich ist. Erstaunlicherweise schleichen sich auch nicht selten bei Militärs Zweifel ein, ob ihr Tun noch sinnvoll sei. Viele sprechen von Friedenslogik, die die Kriegslogik infrage stellt. Ein großer Prozess des Umdenkens und der Umorientierung ist im Gange, vielfältig, spannend, Mut fordernd und Ausdauer. Toll! ‚Das Große bleibt groß nicht und klein nicht das Kleine.‘ Hier findet Sinnsuche ihre Aufgaben. Großartig dabei zu sein!“