Den Frieden fördern – aber wie? Werte und Prinzipien einer Friedenslogik

Bericht von der Jahrestagung der Plattform Zivile Konfliktbearbeitung 2013

„Den Frieden fördern – aber wie?“ Diese Frage beschäftigte rund 80 Akteure der Friedensförderung aus Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Politik auf der Jahrestagung der Plattform Zivile Konfliktbearbeitung vom 7.bis 9. März 2013 in Kooperation mit der Evangelischen Akademie Rheinland. Dabei wurden Werte und Prinzipien für eine mögliche Friedenslogik vorgestellt, erarbeitet und diskutiert.

Die Tagung knüpfte damit an die letztjährige Jahrestagung an, bei der es um die Entwicklung eines zivilgesellschaftlichen Gegenentwurf zur Sicherheitslogik ging. Durch das diesjährige Programm zog sich nun besonders die Frage nach der Rolle der Zivilgesellschaft in der Friedensförderung auf nationaler und internationaler Ebene. Die kritische Selbstreflexion der eigenen Arbeit ermöglichte die Herausarbeitung der Ansprüche, Bedingungen, Kriterien und Hindernisse für gelungene Friedensarbeit.

 

Im Eröffnungsreferat sprach Dr. Christine Schweitzer, Geschäftsführerin des Bundes für Soziale Verteidigung (BSV) das Potenzial der Zivilgesellschaft an, einen starken und notwendigen Gegenpol zu bieten. Sie kann zivile Alternativen zu militärischer Konfliktbearbeitung entwickeln, sowie durch Protest und Widerstand gesellschaftliches Engagement fördern und Sichtweisen ändern.

 

Welche unterschiedlichen Dimensionen Friedensvisionen ansprechen, zeigte das Kamingespräch am Abend. Während Dr. Ute Scheub, Taz-Jounalistin und Autorin, einen Schlüssel für den Frieden in der Geschlechtergleichstellung sah, plädierte Dr. Mathias John von Amnesty International für eine globale Durchsetzung der Menschenrechte, auch als Mittel der Krisenprävention. Prof. Dr. Susanne Buckley-Zistel vom Zentrum für Konfliktforschung der Universität Marburg wies dagegen auf die Grenzen von westlichen Friedensvisionen hin und riet, den Export westlicher Konzepte wie z.B. des (liberalen) Friedens selbstreflexiv zu hinterfragen.

 

In zwei kurzen Inputs stellten Dr. Désiré Nzisabira (Uganda-Koordinator der AGEH) und Jochen Neumann (Geschäftsführer der Bildungsstätte Kurve Wustrow) aus ihren praktischen Erfahrungen in der Projektarbeit in Uganda und Deutschland Erfolgsbedingungen für Friedenshandeln dar. Wichtige Stichworte waren: Klarheit und Transparenz der eigenen Position, Vermeidung von Abhängigkeiten, unbedingte Einbeziehung aller Akteursebenen, d.h. von der Mikro- bis zur Makroebene. Eine besondere Herausforderung sahen hier beide in der Einbeziehung direkter Gewaltakteure. Die Analyse fördernder und hindernder Faktoren für Friedenshandeln stand im Mittelpunkt der Arbeitsgruppen zu Frühwarnung/Prävention, Kampagnenarbeit und Advocacyarbeit, Friedenserziehung, Dialog und Mediation sowie Öffentlichkeitsarbeit.

 

In der abschließenden Podiumsdiskussion nahm Thania Paffenholz von der Universität Genf mit einem „Außenblick“ auf die deutschen Prozesse Stellung: Deutschland fehle es an einer Friedensstrategie und somit auch an klaren Zieldefinitionen. Nach wie vor bestehe eine Diskrepanz zwischen dem Bedarf und den zur Verfügung stehenden Kapazitäten. Die Kontextanalysen seien differenzierter und damit besser geworden, hätten aber noch zu wenig Einfluss auf die Handlungsebene. Ein besonderer Vorteil der Plattform sei die Vernetzung von Inlands- und Auslandsarbeit, die noch ausbaufähig sei. Auch Natascha Zupan von FriEnt verwies auf die Vernetzungsfunktion. So finden in der Plattform Menschenrechts- und Friedensorganisationen zusammen. Ein bisher zu wenig genutztes Potential in der Plattform sei der Dialog zwischen den Generationen, wichtig deshalb, da unterschiedliche Biographien Friedensarbeit wesentlich beeinflusse. Die Deutschen trügen zudem zwei Erfahrungen mit sich, die für internationale Friedensarbeit nutzbar gemacht werden könnten: Die Erfahrung von Friedensprozessen nach einem verheerenden Krieg sowie der Demokratisierung nach einem autoritärem System. Sie warf auch die Frage auf, welche Zukunft Zivile Konfliktbearbeitung angesichts globaler Konflikttrends habe, welche Relevanz und Handlungsräume Deutschland in 25 Jahren bleiben werden. Den Blick nach vorne zu richten, auch mit einer deutlichen Formulierung der Erwartungen an die Politik, war auch das Plädoyer von Thania Paffenholz.

 

Autorin: Christiane Lammers