Konfliktbearbeitung in Afghanistan

TitelKonfliktbearbeitung in Afghanistan
Typ der PublikationBook
Untertitel / SerientitelDie Systemische Konflikttransformation im praktischen Einsatz bei einem Großgruppenkonflikt
Publikationsjahr2010
AutorInnende Carvalho, M, Klussmann, J, Rahman, B
Anzahl Seiten95 pp.
VerlagFriedrich-Ebert-Stiftung (FES), Ref. Asien und Pazifik
StadtBerlin, Bonn
ISBN-Nummer978-3-86872-255-0
UID1443
Kurztext

(Der nachfolgende Text wurde der Einführung entnommen:)
Die Friedrich-Ebert-Stiftung ist seit 2002 in Afghanistan tätig und sieht es als eine ihrer wichtigsten Aufgaben an, den Dialog über Konfliktlösungsmechanismen unter den verschiedenen afghanischen Interessengruppen zu ermöglichen.
Die hier vorliegende Publikation umfasst drei Teile, die den methodischen Ansatz der Systemischen Konflikttransformation darstellen, sowohl was seine geschichtliche Entwicklung und methodische Fundierung anbetrifft als auch seine praktische Anwendung und die dabei gewonnenen Erfahrungen im Feldeinsatz in Afghanistan in den Jahren 2007 bis 2009.Der erste Teil, verfasst von Bahram Rahman, ist überschrieben mit  "Afghanistan im Jahre 2009: Ein Update der Konfl iktanalyse 2003". Er zeichnet überblicksartig ein aktuelles Bild der Konfl iktlage und der in sie involvierten Akteure und ihrer Interessen. Dies gibt als notwendige Hintergrundinformation den erforderlichen Rahmen für die Einschätzung der Herausforderungen, mit denen dieser Ansatz umzugehen hat. Dabei stützt sich der Autor auf strukturierte Interviews, die wegen der Vergleichbarkeit im Wesentlichen mit einem auf der Gliederung der ersten Konfliktanalyse aus 2003 basierenden Interviewleitfaden im Winter 2008/2009 durchgeführt wurden. Teilnehmer dieses Befragungsprozesses repräsentieren verschiedene Konfliktparteien im heutigen Afghanistan. Zusammengefasst spiegeln diese Interviews die für europäische Beobachter manchmal überraschend differenzierte Vielfalt der Einstellungen und Lösungsvorschläge afghanischer Akteure wider. Ihr gemeinsames Hauptaugenmerk liegt auf "Transitional Justice" und auf der Implementierung von Recht und Gesetz auf allen politischen und gesellschaftlichen Ebenen im Land. Der Schutz der Menschenrechte wird als weiterer Ansatz gesehen, um die Wunden der Kriege zu heilen und eine nationale Aussöhnung zu erreichen. Die Bekämpfung der Korruption, Transparenz im Umgang mit Gebermitteln und eine ausgewogenere Hilfeverteilung im Wiederaufbau zwischen dem Norden und dem Süden können helfen, Brücken zu bauen. Die Einschätzung, dass vor Afghanistan noch ein langer Weg des Wiederaufbaus liegt, der ohne die ersten Schritte zur wechselseitigen Vertrauensbildung nicht gelingen kann, teilen alle Interviewpartner.Im zweiten Teil ("Systemische Konflikttransformation - Ein ganzheitlicher Ansatz in der Konfliktbearbeitung") erläutern die Autoren Marco de Carvalho und Jörgen Klußmann zunächst ausführlich die Begriffe Konflikt, Konfliktforschung und wie Konflikte aus systemischer Sicht verstanden und gelöst werden. Systemische Konflikttransformation ist demnach eine Methode, die bei Konflikten Bedrohungsgefühle innerhalb eines Beziehungssystems annimmt. Sie kann unter bestimmten Rahmenbedingungen nachweisen, auf welchen Ebenen diese Beziehungen bedroht sind und gleichzeitig Lösungsschritte aufzeigen. Der besondere Vorteil ist, dass sowohl die diagnostischen Schritte als auch die entworfenen Lösungsmöglichkeiten gefühlsmäßig als stimmig nachvollzogen werden können - gerade weil Gefühle genügend gewürdigt wurden.Die Erfahrungen des Ansatzes mit Großgruppenkonflikten sind noch gering, jedoch vielversprechend, wie im dritten Teil der Arbeit ("Praktische Erfahrungen mit der Systemischen Konfl ikttransformation in Afghanistan") gezeigt wird. In ihm werden von Jörgen Klußmann und Marco de Carvalho erste Erfahrungen mit Trainings zur Systemischen Konflikttransformation in Afghanistan bei soziopolitischen Konflikten ausführlich beschrieben und anhand praktischer Beispiele erläutert. Die Zielgruppen und Teilnehmer der Veranstaltungen waren sehr unterschiedlich: Multiplikatoren aus den Bereichen Medien und Journalismus, zivilgesellschaftliche Aktivisten, Parteienvertreter, Universitätsmitarbeiter und politischer Nachwuchs. Trotz mancher Fortbildungen in Sachen Konfliktbearbeitung waren die Teilnehmer noch nicht mit systemischem Denken vertraut und konnten sich bislang nur schwer vorstellen, wie das Gelernte praktisch umgesetzt werden könnte. Die große Zustimmung und wachsende Nachfrage unter den Teilnehmern sind vielversprechende Hinweise für das große Potenzial, über das der Ansatz der Systemischen Konflikttransformation verfügt.

URLhttp://library.fes.de/pdf-files/iez/07030.pdf
Vollständiger Text