Blinde Flecken im Diskurs über den Ukraine-Konflikt

TitelBlinde Flecken im Diskurs über den Ukraine-Konflikt
Typ der PublikationJournal Article
Publikationsjahr2014
AutorInnenN.N.
Pagination13 S.
Kurztext

"Bilder friedlicher Demonstranten, die auf dem Majdan gegen das Regime des Viktor Janukowitsch und für eine Perspektive der Ukraine in der Europäischen Union (EU) protestierten, wirken mittlerweile wie aus einer anderen Epoche. Dabei sind sie nicht einmal ein Jahr alt. Gleichsam in Echtzeit ließ sich im Fernsehen verfolgen, wie ein Konflikt innerstaatlich bis an den Rand des Bürgerkriegs und zwischenstaatlich zum Muskelspiel konkurrierender Ordnungsmächte eskalierte. Der Sturz des autoritären Präsidenten stellte ein Schlüsselmoment dar. Mögen ihn die einen als Revolution feiern und die anderen als Putsch verurteilen: Unbestreitbar erlebte die innere Ordnung der Ukraine eine grundlegende Erschütterung. Anstatt aber den Kontrahenten bei ihrem Weg aus der Krise Hilfe anzubieten, gossen die Ordnungsmächte Öl ins Feuer. Das gilt für die EU ebenso wie für die USA und Russland. Spätestens zu diesem Zeitpunkt trat die zweite Krise zutage: Sowohl die gesamteuropäische Friedens- und Sicherheitsordnung als auch die Beziehungen zwischen ihren Protagonisten erwiesen sich als wenig belastbar. Mittlerweile durchdringen sich die diversen Problemlagen zu einem undurchsichtigen Konfliktknäuel. Dies gilt umso mehr, als alle Beteiligten das Spiel mit den Medien auf eine Weise perfektionieren, die die internationale Öffentlichkeit ratlos macht: Mögen Manipulationsversuche und einseitige Parteinahmen noch so offensichtlich sein, die Grenze zwischen „Realität“ und „Inszenierung“, zwischen „Information“ und „Propaganda“ lässt sich kaum noch ermitteln. Insofern kann S+F lediglich beanspruchen, einige nicht oder nur wenig beachtete Konfliktfäden aufzugreifen. Erstens scheint uns die Diskussion über die Forderungen selbsternannter Ordnungsmächte die Frage nach den Wünschen und Bedürfnissen der Betroffenen – den Bewohnern der Ukraine sowie der Krim – unbillig zu verdrängen. Zweitens prägen derzeit ausufernde Spekulationen den westlichen Diskurs über Russland und seinen Präsidenten. Dagegen lassen wir eine Stimme aus der russischen Gesellschaft zu Worte kommen. Drittens findet augenscheinlich ein Rückfall in altbekannte Stereotype statt: Wechselseitige Vorurteile erleben ebenso wie geopolitische Deutungsmuster eine Renaissance. Viertens drängt sich die Frage nach Auswegen aus der Eskalationsspirale auf. Hier eröffnen wir eine strategische und eine friedenswissenschaftliche Perspektive." (Einleitung des Forum von Sabine Jaberg)

 

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URLwww.ifsh.de
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